GOALIE Die Torwartakademie
GOALIEDie Torwartakademie

Anforderungen an den Torwart

„Ich sehe in der gesamten Sportwelt keine anspruchsvollere Rolle als die des Fußball-Torwarts.“

(Dirk Memmersheim)

 

Welcher Einzel – oder Mannschaftssportler muss schließlich ein solch breites Anforderungsprofil erfüllen wie ein Fußballtorwart?

 

Es beginnt bei den physischen Anforderungen: Ein Spitzentorwart muss konditionell ausdauernd sein – gleichzeitig aber auch herausragende Sprintfähigkeiten, Schnell- und Sprungkraft besitzen. Er muss zudem koordinativen Anforderungen gerecht werden, ein überdurchschnittliches Reaktionsvermögen besitzen und furchtlos sein. Gepaart mit gutem Stellungsspiel sowie der richtigen Sprung-, Fang- und Fausttechnik erfüllt ein Torwart auch seine klassischen Anforderungen auf der Linie. Cleverness in 1-gegen-1-Situationen und Sicherheit bei hohen Bällen sind ebenfalls von essentieller Bedeutung. Ein stabiler Körperbau schützt vor Verletzungen und schafft Robustheit im Luftkampf. Ein Goalie benötigt Durchsetzungsvermögen und muss in der Lage sein, in Sekundenbruchteilen richtige Entscheidungen zu treffen. Eine gravierende Veränderung des Torwartspiels initiierte 1992 die sog. Rückpassregel: Seitdem darf ein Torhüter den Ball bei absichtlichen Rückpässen und bei Einwürfen nicht mit der Hand berühren. Damit ist der Torwart zum elften Feldspieler geworden. Ein Meilenstein in diesem Bereich war zweifelsohne die mutige Performance von Manuel Neuer im WM-Achtelfinale 2014 gegen Algerien.  Je fußballerisch besser der Mann im Tor, umso besser kann er spielerisch eingebunden werden und umso variabler kann seine Mannschaft agieren. Ein perfekt beidfüßiger Goalie á la van der Sar, Neuer oder ter Stegen wird nach unserer Einschätzung in naher Zukunft zum Standard-Anforderungsprofil der Profi-Vereine gehören. Grundsätzlich bestimmt der Keeper den Rhythmus des Spiels: Seine Spieleröffnung bestimmt, ob schnell gespielt wird, ein Konter eingeleitet wird oder ob er das Spiel beruhigen möchte. Abwurf, Abrollen, Abstoß, Dropkick, präziser Pass vom Boden – das Repertoire ist groß.

Ein Torwart nimmt eine in jeder Hinsicht exponierte Stellung ein: Dies beginnt bereits damit, dass er ein anderes Trikot trägt als seine Teamkollegen und den Ball in die Hand nehmen darf. Er sieht das Spielfeld von hinten und ist somit prädestiniert dafür, seinen Mannschaftskollegen durch klare Kommunikation Hilfestellung zu geben. Oft wird er als Einzelsportler innerhalb einer Mannschaft bezeichnet. Sein Auftreten und seine Ausstrahlung können einer Mannschaft Sicherheit und „ein gutes Gefühl“ geben. Mit einem Klasse-Keeper im Rücken spielt es sich für jeden Feldspieler einfacher! Die psychischen Anforderungen an einen „Schnapper“ dürfen ebenfalls nicht unterschätzt werden: Oft wird man während eines Spiels für lange Zeit nicht wirklich gefordert, um dann im entscheidenden Moment hellwach sein zu müssen. Ein Fehler hat in der Regel ein Gegentor zur Folge. Dies bedeutet Stress und Druck und erfordert ein hohes Maß an permanenter Konzentration. Aber auch das Verarbeiten von Fehlern ist ein Element des Torwartspieles – sowohl unmittelbar nach dem „Patzer“ auf dem Platz als auch nach dem Match. Fehler machen ist wichtig, denn ein guter Torhüter lernt aus seinen Fehlern.

 

Unser Fazit lautet: Da die Komplexität des Torwartspiels seinesgleichen sucht, ist ein individuelles, spezifisches Torwarttraining bereits im Kindes- und Jugendalter unumgänglich.